Mehr Hund im Kinderhaus

Im vergangenen Jahr hatten wir einige Haustiere im Kinderhaus zu Besuch und es hat uns und besonders den Kindern sehr gut gefallen. Auch bei den Eltern sind diese Angebote sehr gut angekommen und es wurde mehr gewünscht.

Ich (Anke Heil) habe eine kleine Hobbyzucht und vor ein paar Jahren eine Fortbildung zur „Tiergestützten Pädagogik“ absolviert.

Für Kinder sind Hunde vorurteilsfreie Partner. Sie reagieren direkt, ehrlich und überschaubar. Bei nahezu jedem Menschen sprechen sie Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsbereitschaft, Verbundenheit, Selbstbeherrschung wie auch Geduld und Rücksichtnahme, Erkennen und Akzeptieren von Grenzen an.

Hundezeit mit Lilo und Kalle

Lilo und Kalle, zwei Cairn Terrier, sollen je nach Bedarf in der Gruppe die Kinder beim Spaziergang bzw. in den  Waldwochen begleiten. Auch soll es Lerneinheiten im Morgenkreis geben, in denen die Kinder über das Verhalten Hunden gegenüber etwas lernen und auch kleine Erziehungsspiele mit den Hunden erleben.

Welche Vorteile bringt hundgestützte Pädagogik für die Kinder?

  • Die Kinder lernen den Umgang mit dem Hund. Sie erfahren etwas über das Wesen, die Haltung, die Eigenarten, die Vorlieben und das Befinden des Hundes.
  • Die Kinder lernen bestimmte Kommandos, die der Hund befolgt und wenden sie an. Bei Erfolg dürfen sie ihn mit Leckerchen belohnen.
  • Die Kinder übernehmen Verantwortung. Sie führen den Hund an der Leine, dürfen ihn pflegen (bürsten), geben ihm Wasser und Futter.
  • Die Kinder lernen, Rücksicht zu nehmen. Sie dürfen ihn nur vorsichtig streicheln, nicht an der Rute ziehen, nicht schlagen oder zerren, liebevoll zu den Hunden sein, nur streicheln oder spielen, wenn der Hund es möchte, leise sein, wenn der Hund sich ausruhen möchte.
  • Auch gegenüber anderen Kindern lernen sie Rücksicht und Verantwortung. Denn wir wechseln uns damit ab, den Hund an der Leine zu führen. Jeder darf das Bällchen werfen oder dem Hund ein Leckerchen geben.
  • Die Kinder halten bestimmte Regeln ein. Durch das Streicheln des Hundes werden viele Sinne angeregt.
  • Schüchterne Kinder können über den Hund lockerer und selbstbewusster werden. Sie kommen mit dem Hund in eine Interaktion. Unruhige Kinder können mit dem Hund zur Ruhe kommen.
  • Ängste werden abgebaut.
  • Kinder, die eventuell zu Menschen wenig Nähe aufbauen können, haben häufig keine Probleme, die Nähe zu einem Hund zuzulassen.
  • Der Hund kann in seiner zugewandten Art trösten und Freund sein. Spaziergänge rund um das Kinderhaus oder in der Natur lieben Hunde und Kinder!

Es ist wunderbar, zu beobachten und zu erleben, was ein Hund bewirken kann. Ich habe meinen ersten Cairn wegen seiner freundlichen, verspielten Art vor 11 Jahren zu mir geholt, da ich für meine Kinder einen Therapeuten gesucht habe, der ihnen helfen kann, ihre Alltagsprobleme zu bewältigen. Es ist ganz erstaunlich, was so eine Tierseele alles bewirkt und ich möchte dies gerne auch unseren Kindern im Kinderhaus nahe bringen.

Der Cairn Terrier ist ein kleiner aktiver, aufmerksamer und sehr kinderfreundlicher und robuster Hund. Er hat eine Schulterhöhe von 28-32 cm.

Die Hunde werden regelmäßig tierärztlich vorgestellt.

Der respektvolle Umgang mit dem Partner Hund, sowie die Sicherheit und das Wohlergehen von Mensch und Tier stehen stets im Vordergrund und werden mit allen Kindern thematisiert und trainiert.

Jedes Kind entscheidet selbst, wie nahe es dem Hund kommen möchte.

In der Krippe beschränkt sich das Zusammensein mit den Hunden lediglich auf die Begleitung zum Spaziergang, so dass die Kinder die Hunde sehen können.

Sollte es in diesem Jahr Welpen geben, werde ich sie nach erfolgter Impfung mit ca. 8 Wochen ein paar Stunden mit der Mutter in das Kinderhaus mitbringen und die Kinder können diese dann gruppenweise besuchen.

Einverständniserklärung tiergestützte Pädagogik

Die Annäherung an einen (fremden) Hund

Guck mal, Mama, ein Hund! Darf ich den mal streicheln?“ – häufig folgt dann ein unbedachtes Ja von Mama und schon läuft das Kind los. Doch Kinder (und auch Eltern) sollten sich langsam dem Hund nähern und dabei darauf achten, wie er reagiert! Ist er neugierig und möchte dich beschnuppern? Klasse! Dann lass‘ das zu, bevor du versuchst, den Hund – womöglich ungefragt – anzufassen. Erst nach dieser ersten Kontaktaufnahme kannst du, mit Einverständnis des Hundehalters, den Hund streicheln.

Merke: Niemals sollte (d)ein Kind auf einen Hund zu laufen und ihn dann einfach anfassen! Auch starres Ansehen ist tabu – denn in der Hundesprache ist direkter Blickkontakt und Anstarren unhöflich und gilt als Provokation.

Die Körpersprache beobachten

Hat der Hund dich beschnuppert und du hast die Zustimmung des Hundebesitzers, dass du den Hund streicheln darfst? Dann achte auch beim Streicheln immer auf den Hund – genauso sollte der verantwortungsvolle Hundehalter reagieren. Wird es dem Hund zu viel, merkst du das daran, dass er seinen Kopf zur Seite dreht, mit der Zunge seine Nase abschleckt oder häufig gähnt (sog. Beschwichtigungssignale bei Stress). Dann solltest du dich langsam wieder vom Hund entfernen. Und höre auch auf den Besitzer des Hundes, wenn er dir mitteilt, dass der Hund genügend Streicheleinheiten bekommen hat. Er kennt seinen Hund am Besten!

Hundebegegnung auf dem Spaziergang

Mir ist aufgefallen, dass viele Kinder (schon etwas ältere, die ohne Eltern unterwegs sind) nicht auf den Hundehalter hören. Dazu kann ich euch ein Erlebnis aus unserem Alltag erzählen.

Wir treffen regelmäßig beim Spaziergang zwei Kinder unterschiedlichen Alters aus unterschiedlichen Familien. Unsere Hunde kennen diese Kinder, weichen ihnen aber mittlerweile aus, da unser Kalle schon schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Leider ist es häufig so: Nachdem ich einmal die Erlaubnis gegeben habe, sich dem Hund anzunähern und ihn zu streicheln, fragen die Kinder beim nächsten Mal nicht mehr nach einem OK. Besagte Kinder laufen dann immer direkt und freudig auf die Hunde zu. Das kann ich aus menschlicher Sicht und als Mama zweier Kinder natürlich verstehen. Aber wir dürfen den Hund dabei auch nicht vergessen!

Unser kleiner Kalle hat sich dabei erschreckt (Freudenschreie und die entsprechende Lautstärke ist für Hunde Stress und das direkte Zulaufen als Angriff aufzufassen) und hat sich fortan lieber versteckt. Das war aber für diese Kinder kein Hindernis! Ein Bsp.: Während wir gemütlich auf der Terrasse vor einer Bar gesessen haben, hat eines der Kinder nun versucht, den Hund unter dem Stuhl (wo er in Ruhe gelassen werden möchte, was ich auch deutlich zum Ausdruck gebracht habe) weiter anzufassen.

Letztendlich habe ich diese Situation mit meinem Hund verlassen, da dieses Kind nicht auf mich hören wollte und ich es nicht in Gefahr bringen möchte. Auch meinem Hund möchte ich diesen Stress nicht antun! Denn er wird sich daraus nichts Positives mitnehmen!

Was viele nicht wissen: Wenn ein Hund die Möglichkeit hat auszuweichen, wird er immer (dem Kind) aus dem Weg zu gehen, das ihn stört oder ärgert. Da der Hund aber nicht freundlich darum bitten kann, aufzuhören, muss er, wenn seine Körpersprache | Beschwichtigungssignale nicht verstanden werden, auf Knurren und später auf Schnappen oder schlimmstenfalls Beißen zurückgreifen!

Was unsere Kinder lernen müssen!

 

Wir Eltern sind in der Verantwortung, unserem Kind nicht nur das Fahrradfahren beizubringen, sondern auch den respektvollen Umgang mit Hunden. Nicht nur, weil vielleicht einer ihrer Freunde einen Hund hat, sondern auch, weil sie bei jedem Spaziergang, beim Spielen oder auf dem Weg zur Schule, einem Hund begegnen könnten.

  • Mit einem Hund immer vorsichtig und langsam Kontakt aufnehmen
  • Kein Laufen oder lautes Rufen und Schreien in seiner Gegenwart
  • Immer erst den Hundehalter fragen, ob du den Hund anfassen darfst
  • Nimm dem Hund niemals ein Leckerchen oder sein Spielzeug weg
  • Vor einem frei laufende Hund niemals weglaufen, sondern stehenbleiben wie ein Baum
  • Interessiert sich ein unbekannter oder streunender Hund für einen Gegenstand, den dein Kind in Händen hält, sollte es diesen fallen lassen

Wenn wir Eltern und Hundebesitzer respektvoll miteinander umgehen und zusammen arbeiten, ist ein Nebeneinander und friedliches Zusammenleben ganz einfach. Bis zum nächsten Mal!